Kleine Tümpel, grosse Wirkung
- vor 3 Tagen
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Wie wir mit einfachen Mitteln neue Lebensräume schaffen
Ein paar Spatenstiche, etwas Wasser, mehr braucht es oft nicht. Und doch entsteht hier ein Lebensraum, der schon nach kurzer Zeit von Amphibien und Insekten besiedelt wird. Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, ein kleiner Tümpel, kaum grösser als ein paar Quadratmeter, kann für viele Arten entscheidend sein. Gerade in Landschaften, in denen natürliche Kleingewässer selten geworden sind, bieten solche Strukturen neue Lebensräume.
Warum wir Kleinbiotope in Flachmooren schaffen
Flachmoore und Riede werden vom Grundwasser gespeist und gehören zu den wertvollsten Lebensräumen der Schweiz. Sie beherbergen eine Vielzahl spezialisierter Pflanzen und Tiere und sind gleichzeitig stark gefährdet. Viele dieser Flächen wurden in der Vergangenheit entwässert oder intensiv genutzt.
Besonders betroffen sind kleine, flache Gewässer. Früher entstanden sie regelmässig durch natürliche Dynamik, etwa durch Trittstellen von Weidetieren, Überschwemmungen oder Bodenbewegungen. Heute fehlen solche Prozesse oft.
Für viele Arten sind genau diese temporären Gewässer entscheidend. Der Grasfrosch (Rana temporaria) nutzt sie als Laichgewässer, ebenso die stark gefährdete Gelbbauchunke (Bombina variegata), die auf kleine, sich periodisch austrocknende Wasserstellen angewiesen ist. Auch zahlreiche Libellenarten, etwa der Südliche Blaupfeil (Orthetrum brunneum), der Vierfleck (Libellula quadrimaculata), der Plattbauch (Libellula depressa) oder die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) profitieren von solchen Strukturen.
Grasfrosch, Gelbbauchunke, Südlicher Blaupfeil, Vierfleck, Plattbauch, Feuerlibelle
Indem wir gezielt neue Kleingewässer an geeigneten Standorten schaffen, können wir diese fehlende Dynamik teilweise ersetzen und die Lebensbedingungen für viele dieser Arten verbessern.
Wo wir neue Biotope anlegen

Besonders geeignet für neue Kleinbiotope sind Orte, an denen sich Wasser ohnehin bereits sammelt. Dazu gehören:
vernässte Senken in Riedflächen
kleine Geländemulden
Quellaustritte
Bereiche mit Staunässe
Solche Standorte besitzen bereits das nötige Potenzial für ein Kleingewässer. Oft genügt eine kleine Vertiefung im Boden, damit sich Wasser dauerhaft oder zumindest saisonal sammeln kann. Indem wir dieses natürliche Potenzial nutzen, lassen sich neue Lebensräume schaffen, ohne den Wasserhaushalt künstlich zu verändern.
Von Hand, maximal schonend
Die neuen Biotope entstehen bewusst mit einfachen Werkzeugen und ohne Maschinen. Mit Spaten, Schaufeln, Karst und Wiedehopfhaue formen wir kleine Mulden im Boden und modellieren die Ufer von Hand. Diese Arbeitsweise hat mehrere Vorteile. In empfindlichen Moor- und Feuchtgebieten können schwere Maschinen den Boden verdichten oder die Vegetation beschädigen. Durch die Handarbeit bleiben die Eingriffe
klein und gezielt.

Zudem lassen sich mit einfachen Werkzeugen unregelmässige Formen und flache Uferbereiche besser gestalten. Genau solche Strukturen sind für Amphibien und viele Wasserinsekten besonders wichtig. Die Arbeiten werden bei uns meist in kleinen Gruppen umgesetzt, häufig zusammen mit Zivildienstleistenden, die so direkt erleben, wie aus wenigen Handgriffen ein neuer Lebensraum entsteht.
Strukturvielfalt erhalten
Beim Anlegen der Gewässer achten wir darauf, möglichst viele bestehende Strukturen zu erhalten. Pflanzenbüschel oder kleine Wurzelstöcke bleiben teilweise stehen.
Sie bieten:
Halt für Amphibienlaich
Sitzplätze für Libellen
Verstecke für Insekten und Kleintiere
Solche Kleinstrukturen erhöhen den ökologischen Wert der neu geschaffenen Gewässer zusätzlich.
Dynamische Lebensräume
Kleingewässer sind keine statischen Lebensräume. Mit der Zeit können sie verlanden, teilweise austrocknen oder von Pflanzen überwachsen werden.
Diese Veränderungen gehören zu natürlichen Prozessen. Während ältere Gewässer langsam verschwinden, entstehen an anderer Stelle neue. So bildet sich ein Mosaik aus unterschiedlich alten Kleingewässern, das vielen Arten zugutekommt.
Bei Bedarf können solche Gewässer periodisch gepflegt oder wieder geöffnet werden, um ihren ökologischen Wert langfristig zu erhalten.
Kleine Gewässer, grosse Wirkung
Auch wenn die neu angelegten Tümpel meist nur wenige Quadratmeter gross sind, haben sie eine erstaunlich grosse Bedeutung für die Biodiversität.
Sie bieten:
Laichplätze für Amphibien
Lebensraum für Libellen und Wasserinsekten
neue Strukturen in ansonsten gleichförmigen Landschaften
Gerade in intensiv genutzten Gebieten können solche Kleinbiotope einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt leisten.

Was auch ausserhalb von Schutzgebieten möglich ist
Solche Kleingewässer entstehen in der Natur oft dort, wo sich Wasser dauerhaft hält, zum Beispiel in Flachmooren. Genau solche Bedingungen fehlen im Siedlungsraum meist. Heisst aber nicht, dass dort nichts möglich ist. Es braucht einfach andere Lösungen.
Auf vielen Flächen reicht die natürliche Vernässung nicht aus. In Gärten oder auf Firmengeländen wird deshalb oft mit einfachen technischen Mitteln gearbeitet, zum
Beispiel mit Folienteichen oder sogenannten Unkenwannen. Sie halten das Wasser
dort, wo es sonst versickern würde.

Ideale Standorte für solche Tümpel sind:
leichte Senken im Rasen
Randbereiche entlang von Wegen
Stellen unter Dachrinnen
wenig genutzten Gartenecken können sich eignen.
Entscheidend bleibt das Prinzip:
flache Ufer, viel Sonne, keine Fische und möglichst wenig Störung. So entstehen auch ausserhalb von Mooren funktionierende Lebensräume für Amphibien und Insekten.
Mehr zur Unkenwanne gibt es in diesem Blog zu lesen: Unkenwannen: Naturnahe Laichplätze für Amphibien
Fazit
Mit einfachen Mitteln lassen sich wertvolle Lebensräume schaffen, besonders dort, wo sich Wasser bereits natürlich sammelt. Oft genügt eine kleine Vertiefung im Boden, damit ein neues Gewässer entsteht. Die angelegten Kleinbiotope zeigen, dass auch kleine Massnahmen eine grosse Wirkung haben können. Sie ergänzen bestehende Feuchtgebiete und bieten zahlreichen Arten neue Lebensräume. Dass bereits im ersten Jahr in einem der Tümpel Laichballen des Grasfroschs (Rana temporaria) nachgewiesen wurden, zeigt, wie schnell solche Lebensräume angenommen werden.

















