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Turnschuhe statt Wanderschuhe – was tun wenn die Schulklasse nicht passend ausgerüstet ist

vor 9 Stunden
4 Min. Lesezeit

Ein Naturschutzeinsatz mit der Schulklasse steht bevor. Die Lehrperson hat alles organisiert: den Einsatzort, den Transport und die Kommunikation mit den Eltern. Auch eine Packliste mit den benötigten Kleidungsstücken wurde rechtzeitig verschickt.


Doch am Einsatztag die Überraschung. Einige Schülerinnen und Schüler erscheinen in Turnschuhen und leichter Freizeitkleidung. Von Wanderschuhen und wetterfester Kleidung fehlt jede Spur.

Was nun? Können die Jugendlichen trotzdem mitarbeiten? Und was bedeutet das für den geplanten Einsatz?



Wenn Erwartungen auf die Realität treffen

Bei meinem ersten Einsatz als Umweltbildungspraktikant von Naturnetz machte ich eine ähnliche Erfahrung. Aus meiner Zeit als Leiter bei Jungwacht Blauring war ich gewohnt, dass Kinder und Jugendliche für Aktivitäten im Freien entsprechend ausgerüstet waren. Deshalb ging ich davon aus, dass dies auch bei einem Naturschutzeinsatz mit einer Schulklasse der Fall sein würde. Doch einige Jugendliche erschienen in lockerer Freizeitkleidung und Turnschuhen. Ich war skeptisch: Würden sie mit Schaufeln und Spitzhacken umgehen können? Waren sie überhaupt motiviert, draussen körperlich zu arbeiten?


Ich wurde eines Besseren belehrt. Obwohl viele der Jugendlichen kaum Erfahrung mit

den Werkzeugen hatten, arbeiteten sie engagiert mit. Einige packten kräftig an, ohne sich gross um ihre Kleidung zu kümmern. Andere entdeckten während des Einsatzes erstmals, wie viel Freude die praktische Arbeit im Freien machen kann.

Diese Erfahrung zeigte mir, dass ungeeignete Kleidung nicht automatisch auf fehlende Motivation schliessen lässt. Natürlich bleibt die richtige Ausrüstung wichtig. Doch statt die Jugendlichen aufgrund ihrer Kleidung zu unterschätzen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen und nach geeigneten Lösungen zu suchen.


Warum die richtige Kleidung trotzdem wichtig ist

Bei Naturschutzeinsätzen arbeiten Schülerinnen und Schüler häufig mit Werkzeugen, bewegen sich auf unebenem Gelände oder sind über mehrere Stunden der Witterung ausgesetzt. Geeignete Kleidung und festes Schuhwerk schützen vor Verletzungen, Kälte und Nässe. Je nach Tätigkeit ist bestimmte Schutzausrüstung sogar zwingend notwendig.


Dabei gilt es zu unterscheiden: Während nasse Füsse vor allem unangenehm sind, kann ungeeignetes Schuhwerk bei Arbeiten mit schweren Werkzeugen ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko darstellen. Deshalb muss die Einsatzleitung vor Ort beurteilen, welche Tätigkeiten mit der vorhandenen Ausrüstung sicher durchgeführt werden können.


Tipps für Lehrpersonen: Gut vorbereitet zum Naturschutzeinsatz


Damit möglichst alle Schülerinnen und Schüler sicher und mit Freude am Einsatz teilnehmen können, lohnt sich eine gute Vorbereitung.


Vor dem Einsatz


  • Packliste frühzeitig verschicken: Informieren Sie die Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern rechtzeitig darüber, welche Kleidung und Ausrüstung benötigt wird. Erklären Sie dabei auch, weshalb festes Schuhwerk, wetterfeste Kleidung und gegebenenfalls Arbeitshandschuhe wichtig sind.

  • Fehlende Ausrüstung frühzeitig abklären: Nicht alle Familien verfügen über Wanderschuhe oder geeignete Outdoorbekleidung. Klären Sie deshalb möglichst früh, ob einzelne Jugendliche Unterstützung benötigen. Vielleicht können Schuhe ausgeliehen oder über die Schule organisiert werden.


  • Alternativen einplanen: Überlegen Sie gemeinsam mit der Einsatzleitung, welche Arbeiten auch mit weniger geeigneter Kleidung sicher durchgeführt werden können. So müssen betroffene Jugendliche nicht automatisch vom Einsatz ausgeschlossen werden.


  • Ersatzkleidung organisieren: Wenn möglich, lohnt es sich, einige zusätzliche Kleidungsstücke oder Schuhe bereitzuhalten.


Am Einsatztag


  • Ausrüstung überprüfen: Bevor die Arbeiten beginnen, sollte die Einsatzleitung kontrollieren, ob alle Teilnehmenden für die vorgesehenen Tätigkeiten ausreichend ausgerüstet sind.


  • Aufgaben anpassen: Falls einzelne Jugendliche ungeeignete Kleidung tragen, können sie nach Möglichkeit andere, sichere Arbeiten übernehmen.


  • Auf die Witterung achten: Bei kaltem oder nassem Wetter sind ausreichend Pausen und Möglichkeiten zum Aufwärmen besonders wichtig.


Nach dem Einsatz


  • Erfahrungen gemeinsam reflektieren: Besprechen Sie mit der Klasse, welche Kleidung sich bewährt hat und weshalb die richtige Ausrüstung wichtig ist. So können die Jugendlichen aus ihren eigenen Erfahrungen lernen.


Wenn trotzdem Improvisation gefragt ist

Es regnet, die ersten Turnschuhe sind durchnässt und einige Schülerinnen und Schüler beginnen zu frieren. Was nun? Den Einsatz abbrechen? Nicht unbedingt! Mit etwas Kreativität und Improvisationstalent lässt sich manchmal auch aus einer ungemütlichen Situation etwas Spannendes machen.


  • Ein Feuer entfachen: Wenn es die örtlichen Vorschriften und die Wetterbedingungen erlauben, kann ein Feuer an einer geeigneten Feuerstelle für wohlige Wärme sorgen. Gleichzeitig bietet sich die Gelegenheit, gemeinsam zu lernen, wie man ein Feuer sicher entfacht und unterhält. Vielleicht wird die ungeplante Feuerpause sogar zum Höhepunkt des Tages.


  • Einen Unterstand bauen: Eine mitgebrachte Blache lässt sich mit wenigen Handgriffen in einen einfachen Regenschutz verwandeln. Gemeinsam einen trockenen Unterschlupf einzurichten, kann bereits eine kleine Lernaktivität sein. Dabei erfahren die Jugendlichen ganz praktisch, wie man sich in der Natur vor Wind und Wetter schützt.


  • Kreativ umplanen: Nicht alle Arbeiten erfordern dieselbe Ausrüstung. Wer mit Turnschuhen nicht sicher auf einem rutschigen Hang arbeiten kann, übernimmt vielleicht eine andere Aufgabe auf ebenem Gelände. Auch Naturbeobachtungen, kleine Forschungsaufträge oder das Dokumentieren der Arbeiten können sinnvolle Alternativen sein.


  • Mit einfachen Mitteln aushelfen: Manchmal bewirken bereits trockene Ersatzsocken, eine ausgeliehene Regenjacke oder ein paar zusätzliche Kleidungsschichten Wunder. Auch kurze Bewegungsspiele können helfen, bei kühler Witterung warm zu bleiben.


Natürlich hat Improvisation ihre Grenzen. Ein Feuer oder ein Unterstand ersetzen keine geeignete Kleidung. Wenn Jugendliche stark frieren, durchnässt sind oder ihre Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist, braucht es einen warmen, geschützten Ort – und gegebenenfalls muss der Einsatz abgebrochen werden.

Denn manchmal entstehen gerade dann die spannendsten Naturerlebnisse, wenn nicht alles nach Plan läuft.


Nicht alles läuft nach Plan – und das ist okay


Natürlich ist die richtige Kleidung für einen sicheren und angenehmen Naturschutzeinsatz wichtig. Doch mindestens genauso wichtig sind Offenheit, Flexibilität und die Bereitschaft, sich auf unerwartete Situationen einzulassen.

Denn wie ich bei meinem ersten Einsatz selbst erfahren durfte, sagt die Kleidung wenig darüber aus, wie motiviert jemand mitarbeitet. Und manchmal entstehen gerade dann besonders wertvolle Erlebnisse, wenn man vom ursprünglichen Plan abweichen muss.

Ob mit Turnschuhen oder Wanderschuhen: Entscheidend ist, dass alle sicher mitmachen können, gemeinsam etwas für die Natur bewirken und am Ende des Tages mit neuen Erfahrungen nach Hause gehen.


Autor: Manuel Palla

 
 
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