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Reportage eines Zivis: Ein Tag im Naturschutz

  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

In braun-blauen Jacken ziehen die Zivis los, bereit, Wiesen, Teiche und Ufer zu pflegen. Wer steckt hinter diesem Einsatz für die Natur, und was treibt die Freiwilligen an? Naturnetz Schweiz zeigt, wie Hand in Hand gearbeitet wird, um Lebensräume zu bewahren. 


 Drei Zivis beim Mähen der Teichflora (Foto: Alberto Mona) 
 Drei Zivis beim Mähen der Teichflora (Foto: Alberto Mona) 

Noch liegt Dunkelheit über dem Land, die feuchte Morgenluft riecht nach Erde und man spürt dieses leise Kribbeln, bevor der erste Schritt getan ist. Am Nachmittag glitzert der Schweiß in der Sonne und jeder Atemzug ist warm. Am Abend aber, wenn alles ruhiger wird, breitet sich ein stiller Stolz aus, als hätte der Tag selbst einem etwas zurückgegeben. 


Ein Netzwerk, das wirkt


Der Verein Naturnetz engagiert sich seit 2007 für den Natur- und Landschaftsschutz in der Schweiz. Ziel ist es, Lebensräume zu erhalten, aufzuwerten und die Biodiversität zu fördern. Die Organisation arbeitet dabei mit Fachpersonen, Zivildienstleistenden, Freiwilligen, Schulklassen und Unternehmen zusammen. Jedes Jahr leisten rund 300 Zivildienstleistende Tausende Einsatztage für den praktischen Naturschutz. Gemeinsam werden in der ganzen Schweiz Schutzgebiete gepflegt, Lebensräume geschaffen und Naturprojekte umgesetzt. Viele dieser Arbeiten würden ohne diesen Einsatz nicht stattfinden.


Aussicht von der Brücke am Standort Mittelland
Aussicht von der Brücke am Standort Mittelland

Der stille Einstieg ins Grüne 


Vom Bahnhof Glanzenberg führt ein schmaler Kiesweg zur Zentrale des Naturnetzes. Es ist 7:30 Uhr, der Morgen ist still, die Sonne noch nicht aufgegangen. Das Gras ist vom Tau bedeckt, Nebel liegt über der Limmat. Der Kies knirscht unter den Schuhen, die Metallbrücke glänzt feucht und unter ihr rauscht leise der Fluss vorbei.


Laderampe mit Zivis am Morgen
Laderampe mit Zivis am Morgen

Auf der Laderampe stehen bereits einige junge und gesprächige Zivis. Die Hände stecken tief in den Hosentaschen, während ein kühler Wind weht. Es riecht nach nassem Holz und Benzin. Dann öffnet sich die Bürotür. Nach einem kurzen «Morge zäme» werden die Tagesaufgaben erklärt, die Gruppen eingeteilt und die Materiallisten verteilt. Im Lager hängen die Werkzeuge ordentlich aufgereiht an der Wand. Balkenmäher, Wathosen, Rechen und Freischneider werden zusammengesucht und auf den Kipper geladen. Die heutige Einsatzleiterin Eveline Häsli prüft die Liste und nickt zufrieden. «Gut, dann sind wir bereit.»


Eveline fasziniert die Biodiversität in urbanen Gebieten. Sie machte ein Praktikum bei Grün Stadt Zürich auf der Fachstelle Naturschutz und später das CAS „Natur im Siedlungsraum“. Seit 2021 leitet sie Projekte beim Naturnetz Mittelland, betreut Zivis und hält sie bei Laune, auch wenn es wieder mal regnet und Brombeeren gepickelt werden müssen. 


Kurz darauf setzt sich der Kipper in Bewegung. Die Strassen werden enger, bis links und rechts nur noch der Waldrand zu sehen ist. Das Ziel: das Dunkelhölzli bei Zürich Altstetten.

Eveline Häsli bei der Arbeit (Foto: Alberto Mona) 
Eveline Häsli bei der Arbeit (Foto: Alberto Mona) 

Vor Ort teilt sich die Gruppe auf. Drei Zivis übernehmen die Pflege eines Teiches. Mit Wathosen waten sie durch dichtes Schilf, schneiden die Vegetation zurück und ziehen Seerosenblätter ans Ufer. Das Wasser wird dunkel und trüb, Blasen steigen auf und zerplatzen lautlos.


Währenddessen rattert Eveline mit dem Balkenmäher über den Hang und frisst sich durch das dichte Gras. Hinter ihr bleibt eine saubere Spur zurück. Es riecht nach frisch geschnittenem Gras, feuchter Erde und Schweiss. Im Hintergrund hört man die Stimmen einer vorbeispazierenden Kitagruppe.



Sonne und stolze Müdigkeit 

Schon ist es zehn Uhr. Eveline muss den Zivis, die einen Pamir tragen, mit Handzeichen bedeuten, dass Pause ist. An einem langen Tisch kommt die Gruppe zusammen und geniesst plaudernd ihr wohlverdientes Znüni. Thermoskannen werden geöffnet und die Stimmung ist friedlich. Eveline hört zu, wie die Zivis von ihrer Arbeit erzählen. Nach 20 Minuten ruft sie zur Weiterarbeit auf und bald schon kann man die Naturverbundenheit wieder spüren. 


Floriano Mona beim Freischneidern (Foto: Alberto Mona) 
Floriano Mona beim Freischneidern (Foto: Alberto Mona) 

Langsam kommt man in einen Rhythmus. Die Bewegungen sitzen und jeder weiss, was zu tun ist. Die Mahd geht weiter, es fühlt sich fast automatisch an. Gegen Mittag lässt die Energie etwas nach. Die Sonne steht jetzt senkrecht über dem Hang. Eveline hebt die Arme, ruft kurz. Die Maschinen verstummen. Zeit für die grosse Pause. 


Nach einem guten Essen kehrt wieder Ruhe ein. Die Tupperwares sind geleert und die Bäuche gefüllt. Nur das Klacken der Deckel und das Rascheln von Papier ist noch zu hören. Alle lehnen sich zurück und strecken entspannt die Beine aus.


Ausgeruht und mit frischem Schwung geht die Truppe wieder ans Werk und beendet die angefangenen Arbeiten. Am Nachmittag wird das Material eingesammelt und der Kipper wieder geladen. Bei der Rückfahrt fühlt man sich körperlich erschöpft, aber man ist stolz auf das gemeinsame Tageswerk. 


Nach rund acht Stunden Arbeit ist es bereits 16:40 Uhr, dennoch ist der Arbeitstag noch nicht ganz vorüber. Die Werkzeuge müssen zurück ins Lager gebracht werden, alles muss sauber, trocken und bereit für den nächsten Einsatz sein. Nach der Verabschiedung schultern die Zivis ihre Rucksäcke, lachen noch kurz miteinander und steigen müde, aber zufrieden in den Zug oder auf ihr Velo. Zurück bleibt das Wissen, dass Mensch und Natur ein Stück näher zusammengewachsen sind. 


 Autor: Alberto Mona 

 
 
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