Eine Wieselburg für das Mauswiesel bauen: So geht’s
- vor 2 Tagen
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Warum und wie man eine Wieselburg aus Ästen baut.
Klein, flink und ständig auf Beutesuche
Das Mauswiesel ist das kleinste Raubtier der Schweiz und ein echter Mäusejäger. Mit seinem schlanken, langgestreckten Körper kann es seiner Beute sogar bis in deren unterirdische Gangsysteme folgen. Doch die besondere Körperform hat auch einen Nachteil: Im Verhältnis zu seinem Körpervolumen besitzt das Mauswiesel eine grosse
Oberfläche und verliert dadurch besonders viel Wärme.

Das bedeutet: hoher Energieverbrauch und ständig Hunger. Ein Mauswiesel muss täglich etwa die Hälfte seines eigenen Körpergewichts an Nahrung aufnehmen. Das entspricht ungefähr ein bis zwei Mäusen pro Tag. Dafür ist es auf geeignete Jagdgebiete in der Nachbarschaft angewiesen.
Ein Lebensraum mit vielen Verstecken
Mauswiesel fühlen sich vor allem in strukturreichen, offenen Landschaften wohl. Wiesen
und Weiden bieten ihnen ein wichtiges Jagdgebiet, denn dort finden sie ihre bevorzugte
Beute: Mäuse. Gleichzeitig brauchen sie zahlreiche sichere Rückzugsorte. Ast- und Steinhaufen, Hecken, Waldränder oder andere Kleinstrukturen bieten Schutz vor Kälte, Nässe und Fressfeinden und können als Schlaf- oder Aufzuchtplätze genutzt werden.
Auch für die Fortbewegung spielen solche Strukturen eine wichtige Rolle. Das
Mauswiesel bewegt sich gerne entlang linearer Strukturen fort. Je besser diese
Lebensräume miteinander vernetzt sind, desto leichter kann es sich zwischen
Jagdgebieten und Verstecken bewegen.
Wenn die Verstecke verschwinden
Genau diese Verstecke gehen in unserer Landschaft jedoch zurück. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft verschwinden viele Kleinstrukturen. Gleichzeitig
führen Siedlungs- und Strassenbau dazu, dass Lebensräume zerschnitten werden oder
verloren gehen.
Für das Mauswiesel bedeutet das: weniger Verstecke, weniger sichere Wege durch die
Landschaft und weniger Nahrung. Das Mauswiesel steht deshalb in der Schweiz auf der Roten Liste der gefährdeten Arten und ist gesetzlich geschützt.
Burgen bauen im Wieselstyle: So get's
Was für uns auf den ersten Blick nur wie ein Haufen Äste aussieht, kann eine Burg sein, in der sich ein Wiesel wahrlich wohl fühlt. Im Rahmen unseres Waldpflegeeinsatzes in San Bernardino haben wir deshalb sogenannte Wieselburgen gebaut, die dem kleinen Raubtier genau das bieten sollen, was es braucht.

Schritt 1: Die Aufzuchtkammer bauen
Zunächst wird die sogenannte Aufzuchtkammer im Inneren der Wieselburg angelegt. Dafür werden vier dickere Äste zu einem Rechteck angeordnet. An zwei gegenüberliegenden Ecken bleiben jeweils etwa 4 cm grosse Durchgänge frei. Die Eingänge sollen möglichst klein sein, damit grössere Fressfeinde nicht in die Kammer gelangen können. Sollte es einem ungebetenen Gast wie dem Fuchs dennoch einmal gelingen, in die Burg einzudringen, bietet der zweite Ausgang dem Mauswiesel einen zusätzlichen Fluchtweg.

Schritt 2: Die Kammer auspolstern
Anschliessend wird die Kammer mit trockenem Laub und Stroh ausgepolstert und mit grösseren Ästen oder Holzstücken abgedeckt.

Schritt 3: Die Burg wächst
Nun wird das restliche Astmaterial aufgeschichtet. Die Äste sollten dabei möglichst waagerecht übereinander
gelegt werden.
So entsteht ein stabiler Haufen mit zahlreichen kleinen Hohlräumen. Zum Schluss wird die Burg möglichst geschlossen, sodass grössere Fressfeinde keinen direkten Zugang zum Inneren bekommen.
Auf Gras sollte beim Bau verzichtet werden. Es hält Feuchtigkeit im Haufen und kann dazu führen, dass das
Holz schneller verrottet.
Die richtige Lage ist entscheidend
Nicht nur der Aufbau, auch der Standort der Wieselburg ist entscheidend für ihren Erfolg. Die Asthaufen sollten möglichst in der Nähe eines geeigneten Jagdgebiets liegen. Gleichzeitig ist es sinnvoll, bereits vorhandene Kleinstrukturen wie Hecken, Waldränder oder weitere Asthaufen einzubeziehen. Besonders wirkungsvoll wird das Ganze, wenn mehrere Asthaufen angelegt und miteinander vernetzt werden.
Zu Strassen und häufig genutzten Wegen sollten rund 30 Meter Abstand gehalten werden. Auch Standorte in Senken eignen sich weniger, da sich dort Wasser sammeln und die Wieselburg vernässen kann.
Nach dem Bau braucht die Wieselburg hin und wieder etwas Pflege. Damit sie nicht vollständig von Vegetation überwachsen wird und die Zugänge frei bleiben, sollten Gräser, Stauden und andere Pflanzen regelmässig zurückgeschnitten oder entfernt werden.
An einem sonnigen Standort profitieren übrigens nicht nur Mauswiesel von den geschaffenen Strukturen. Die Hohlräume im Asthaufen können auch Amphibien und Reptilien als Versteck und Rückzugsort dienen.
Eine Wieselburg aus Steinen

Eine Wieselburg lässt sich nicht nur aus Ästen, sondern auch aus Steinen bauen. Das Prinzip bleibt dabei ähnlich: Im Inneren wird eine geschützte Wohn- und Aufzuchtkammer geschaffen, die etwa die Grösse einer Schuhschachtel hat und mit trockenem Laub, Gras oder Stroh ausgepolstert wird. Grosse Steine bilden die Kammer und schützen sie von oben, kleinere Steine und Kies sorgen für einen gut entwässernden Untergrund. Anschliessend wird der Haufen mit grossen und mittleren Steinen erweitert. Wichtig ist, dass kleine Zugänge zur Kammer offenbleiben, durch die das Wiesel hineinpasst, grössere Fressfeinde aber nicht.
Ein kleiner Haufen, ein grosser Unterschied
Eine Wieselburg sieht vielleicht unscheinbar aus – für ein Mauswiesel kann sie jedoch
einen wichtigen Rückzugsort in einer zunehmend strukturarmen Landschaft darstellen.
Mit einfachen Mitteln schassen wir Verstecke, Aufzuchtplätze und Trittsteine zwischen
verschiedenen Lebensräumen. So wird aus einem Haufen Äste ein kleines Stück
Lebensraum für eines der kleinsten Raubtiere der Schweiz.
Autorin:
Sophie Gehling
Quellen:
Kurzanleitung Bau von wieselfreundlichen Ast- & Steinhaufen:
WWF Fördermassnahme Asthaufen:
WWF Fördermassnahme Steinhaufen:

